Abseits der gewohnten Pfade lassen sich in Esslingen verborgene Artefakte und Hinweise auf vergessene Ereignisse, heiterer wie auch ernster Natur, aus allen Jahrhunderten finden. Was verrät die feuchte Wand in der Frauenkirche? Weshalb wurde einst ein Glas von der Spitze selbiger Kirche geworfen? Wer behütete in alten Zeiten die Spitalkelter bei Nacht? Gibt es unter der Stadt einen Bach? Wie wurden die Glasfenster der Kirchen während des Krieges geschützt? Wodurch lässt sich das Alter einer uralten Brücke bestimmen? Welche hygienische Errungenschaft wurde in der Stadt hergestellt? Wurden in alten Zeiten wirklich Kamele in der Stadt gesichtet? Diese und andere Geheimnisse der ehemaligen Reichsstadt Esslingen werden auf einem zweistündigen Rundgang ergründet.
Wohl niemand, der im Umfeld des Deutschen Werkbundes an den Vorbereitungen zur großen Bauausstellung beteiligt war, die 1927 auf dem Killesberg stattfand, hätte sich vorstellen können, welches Schicksal die Ideen dieser Bewegung noch erwarten würde. Aufsehenerregend waren nicht nur die flachen Dächer und klaren, ornamentlosen Fassaden, sondern auch die zahlreichen praktischen Neuerungen, die das Leben der Menschen erleichtern sollten: Badezimmer und WCs für jede Familie zur Eindämmung von Epidemien wie der Tuberkulose, logisch eingerichtete Küchen für berufstätige Frauen, Terrassen und Balkone für Sonnenbäder oder Gymnastik, große Fenster für viel Licht und Luft in den Räumlichkeiten, bewegliche Wandelemente, leichtes Mobiliar und gut reinigbare Linoleumböden – und all dies in einer neuartigen, erfrischenden Gestaltung. Hinzu kam die Nutzung der Elektrizität – nicht nur für flacker- und rußfreie Beleuchtung, sondern auch für Haushaltsgeräte und das damals neue, sehr beliebte Radio. Kurze Zeit später mussten viele dieser praktischen und ästhetischen Ideen durch die Weltwirtschaftskrise und die darauffolgenden schweren Jahre, einschließlich der Zeit der Diktatur bis in die Aufbauphase der 50er Jahre ad acta gelegt werden. Ein Höhepunkt des ausführlichen Rundgangs durch die Weißenhofsiedlung ist der Besuch des Doppelhauses von Le Corbusier, das 2016 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Hier lässt sich die Formensprache und Farbgestaltung der frühen Moderne besonders anschaulich erleben.
Stuttgarts Halbhöhenlagen – was kann es Schöneres geben? Prächtige Villen, ruhige Straßen, gepflegte Gärten und immer wieder Ausblicke sowohl in die Ferne als auch auf die Stadt. Unterhalb des Kräherwalds und der Feuerbacher Heide wirkt die Welt noch in Ordnung, während die hektische Innenstadt in weiter Ferne liegt. Bei unserem Spaziergang entdecken wir insbesondere das jüdische Leben in Stuttgart sowie die Villen und Häuser des jüdischen Architekturbüros Bloch & Guggenheimer. Den Abschluss bildet eine Fahrt mit der Bahn zur jüdischen Synagoge im Hospitalviertel, wo wir eine Führung erhalten. Während des Nachmittags erfahren wir viel über die Stadtgeschichte Stuttgarts, angereichert mit unterhaltsamen Anekdoten, Gedichten und Geschichten. Bitte beachten: Für die Synagogenführung ist ein Personalausweis erforderlich. Die Anmeldung muss mit einzelnen Namen erfolgen und männliche Teilnehmer müssen eine Kopfbedeckung mitbringen.
Stuttgart-Heslach war lange Zeit ein von Industrie und Verkehr geprägter Stadtteil. Wo heute hippe Cafés, kleine Geschäfte und sanierte Altbauten das Bild bestimmen, rauchten einst die Schornsteine der Fabriken, und durch den Stadtteil führte der dichte Verkehr der alten Verkehrsachsen Richtung Innenstadt und Süden. Im 19. Jahrhundert siedelten sich in Heslach zahlreiche Industriebetriebe an, darunter Papierfabriken, Textilunternehmen und Hersteller fotografischer Geräte. Viele Arbeiterfamilien lebten unter einfachen Bedingungen in dicht bebauten einfachen Wohnquartieren. Zu den bedeutendsten Unternehmen gehörte die Textilmanufaktur Benger & Söhne, die weit über Stuttgart hinaus bekannt war. Der Rundgang durch Heslach führt zu ehemaligen Fabrikstandorten, Arbeitern und Ordensschwestern im Stuttgarter Marienhospital. Ein besonderer Höhepunkt ist das Heslacher Stadtbad, ein sensationeller Bau der 1920er Jahre. Das damals hochmoderne Bad galt bei seiner Eröffnung als eine der größten und modernsten Schwimmbadanlagen Deutschlands.