Als universelle Sprache verhandeln Haare seit Jahrtausenden soziale, kulturelle und politische Fragen – und bestimmen, wie Menschen sich selbst sehen und gesehen werden. Mit „HAAR – MACHT – LUST“ präsentiert die Kunsthalle München eine thematisch gestaltete, kulturübergreifende Ausstellung, die die vielfältigen Bedeutungen von Kopf- und Körperhaar in den Blick nimmt. Zu sehen sind rund 200 Exponate von der Antike bis zur Gegenwart – darunter Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Videoarbeiten, Schmuckstücke, Möbel, Designobjekte und Couture-Kreationen – aus bedeutenden internationalen Sammlungen wie dem Prado, dem Louvre und dem Rijksmuseum. Ob lang, kurz oder rasiert, glatt oder gelockt – Haare sind weit mehr als eine Frage des Stils. Sie erzählen von Schönheit und Begehren, von Macht und Ohnmacht, von Anpassung und Rebellion. Frisuren signalisieren von jeher Status und Zugehörigkeit – ob im Alten Ägypten oder in der heutigen Selbstinszenierung. Zugleich prägt Haar unsere Vorstellungen von Geschlecht und Rolle: Es kann Normen bestätigen, unterlaufen oder wie im Drag bewusst überzeichnen. Unzählige Geschichten erzählen von der Macht des Haars. Und immer wieder setzt Haar ein politisches Statement – als Zeichen von Protest, Identität und Selbstbestimmung, bis hin zur Frage, wer über den eigenen Körper entscheidet. Dieser sinnliche und überraschende Streifzug durch drei Jahrtausende Kunst- und Kulturgeschichte verdeutlicht, welche Wirkmacht das scheinbar Alltägliche entfalten kann. Die Ausstellung ist bis 4. Oktober 2026 in der Kunsthalle München zu sehen. Die Kuratorin Juliane Au gibt in diesem Web-Vortrag einen spannenden Einblick in die Ausstellung und das kuratorische Konzept.
Von Aristoteles über Kant bis zu Adorno und Bourriaud – Theorien über Kunst spiegeln, wie Gesellschaft über Schönheit, Sinn und Zweck von Kunst nachdenkt. Wir gehen den Fragen nach: Was macht etwas zu Kunst? Wer entscheidet über Bedeutung und Wert? Und wie verändern sich diese Perspektiven im digitalen Zeitalter?
Wohnzimmer, Küchen und Schlafzimmer galten lange als komplett unpolitisch. Aber: diese Räume erzählen spannende Geschichte(n) von Rollenbildern, Machtverhältnissen und sozialen Normen. Von bürgerlichen Salons über die Frankfurter Küche bis zu heutigen Wohninszenierungen fragen wir: Was verrät das Private über seine Zeit?
1910 malt Kandinsky das erste abstrakte Bild – ein Skandal. Abstrakte Kunst bedeutete, auf Gegenständlichkeit zu verzichten und neue Ausdrucksformen zu erfinden. Warum faszinierte und provozierte Abstraktion gleichermaßen?
Farbe ist eines der stärksten Ausdrucksmittel der Malerei. Von Goethes Farbenlehre über Seurat und den Pointillismus bis zu Rothkos Farbräumen erkunden wir, wie Farbe emotional wirkt, wissenschaftlich erklärt wird und zu einem eigenständigen Thema der Kunst wird.
Fast 20 Jahre lang jagte sie Kunstfälscher und entlarvte angebliche Meisterwerke von Kirchner bis Kandinsky. Mit akribischer Detektivarbeit kommt sie den Fälschern auf die Schliche. Wie kommt ein Picasso in die Tüte und Dali-Zeichnungen unter das Bett? Die ehemalige Kunstfahnderin gibt einen faszinierenden Einblick in die Welt der Kunstkriminalität.
Wenn von Fußball die Rede ist, geht die Assoziation bei vielen zunächst zu "kickenden Männern". Warum das so ist, dafür gibt es historische Gründe ebenso wie die, dass an bestimmten Erzählungen festgehalten wird. Aber wieso haben sich der Fußball der Männer und der Frauen eigentlich so unterschiedlich entwickelt? Warum sind verantwortliche Positionen in diesem Sport bis heute überwiegend männlich besetzt – vielfach auch im Fußball der Frauen? Wie unterscheiden sich Fankurven? Darum geht es im Vortrag ebenso wie um den Einfluss von Fußball auf (Stadt-)Gesellschaft und umgekehrt.
Dieser Vortrag spannt einen inhaltlichen Bogen von der Stilllebenmalerei des Barock bis zur revolutionären Gestaltung der „Frankfurter Küche“. Essen ist nie nur Nahrungsaufnahme. Von opulenten Stillleben bis zur funktionalen Moderne zeigt sich die Tafel als Ort sozialer Ordnung, Macht und Inszenierung. Der Vortrag verbindet Kunst und Design und macht sichtbar, wie sich gesellschaftliche Werte im scheinbar Alltäglichen spiegeln.
K-Pop: Wie wurde koreanische Popmusik zum Spielplatz für die Jugend weltweit? Seit "Gangnam Style" von Psy im Jahr 2012 begann K-Pop weltweit an Popularität zu gewinnen. Viele Menschen fragen sich nach wie vor, wie koreanische Popmusik in anderen Kulturkreisen so beliebt werden und Fandoms bilden konnte. Auch wenn sich dieses Phänomen nicht auf einen einzigen Grund reduzieren lässt, liegt ein entscheidender Faktor in seinem partizipativen Charakter. Dieser Vortrag bietet eine Einführung in das Phänomen K-Pop und richtet den Fokus insbesondere auf die partizipative Kultur, um zu erklären, wie es K-Pop gelungen ist, junge Menschen auf der ganzen Welt anzusprechen.
Wie hat sich die monumentale Wandgestaltung von antiken Wandmalereien über barocke Deckenfresken bis hin zur digitalen Projektion gewandelt? Wände sind mehr als Begrenzung - sie werden zu Bildträgern. Von illusionistischen Fresken bis zu immersiven Projektionen zeigt sich, wie Räume durch Bilder erweitert und transformiert werden. Der Vortrag verfolgt, wie sich Techniken verändern und mit ihnen die Art, wie Geschichten im Raum erzählt werden.
Mit der Industrialisierung verändert sich das Tempo der Welt. Neue Verkehrsmittel und technische Entwicklungen lassen Bewegung und Geschwindigkeit zu zentralen Themen werden. Der Vortrag zeigt, wie sich diese Erfahrung in Kunst und Fotografie niederschlägt und wie traditionelle Bildformen und Techniken ins Wanken geraten!
Dieses Gemälde ist eines der berühmtesten politischen Bilder der Kunstgeschichte. Im Zentrum steht die Frage, wie Jacques-Louis David sein Werk gezielt zur Heroisierung und ideologischen Inszenierung einsetzte. Anhand von Bildaufbau, Symbolik und historischem Kontext wird gezeigt, wie aus einem politischen Mord ein ikonisches Märtyrerbild der Französischen Revolution werden konnte.
Die Nacht ist lange ein Raum des Unbekannten - bis künstliches Licht sie verändert. Mit Gaslicht und Elektrizität entstehen neue Bilder der Stadt, neue Stimmungen und neue künstlerische Möglichkeiten. Besonders in der Malerei und der frühen Fotografie wird das Spiel von Licht und Dunkelheit zum zentralen Thema: flirrende Straßenlichter, tiefe Schatten, unscharfe Konturen. Der Vortrag zeigt, wie Künstler:innen die Nacht neu sehen lernen und wie Licht zum entscheidenden Gestaltungsmittel der Moderne werden soll.
Zerfall zieht an! Von romantischen Ruinenlandschaften bis zu fotografierten Industriebrachen entfaltet sich eine eigene Ästhetik des Verfalls. Der Vortrag fragt, warum das Unvollständige, Vergangene und Vergessene so wirkungsvoll ist und welche Sehnsüchte sich darin spiegeln.
Skulpturen sind (meist) starr und können doch so voller Bewegung sein. Seit der Antike suchen Künstler:innen Wege, Dynamik im unbeweglichen Material sichtbar zu machen. Der Vortrag zeigt, wie sich Vorstellungen von Körper, Spannung und Bewegung verändern. … bis hin zu Werken, die sich tatsächlich bewegen.
Drei Künstler, drei Epochen, drei unterschiedliche Vorstellungen der biblischen Figur des David. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen Körperdarstellung, Ausdruck, Bewegung und der gewählte Moment im Kampf gegen Goliath. Ein kompakter Vergleich dreier Meisterwerke der europäischen Skulpturgeschichte.
Nicht jedes Werk strebt nach Perfektion. Skizzen, Fragmente und bewusst Unfertiges eröffnen eigene ästhetische Qualitäten. Von antiken Torsi bis zu modernen Prozessen wird sichtbar, wie das Unvollendete, das non finito, Spannung erzeugt und warum ausgerechnet das Offene und nicht fertige besonders eindringlich wirkt.
Der erste Blick entscheidet - manchmal zu schnell. Wahrnehmung folgt Mustern, Erwartungen und Routinen. Der Vortrag versucht, diese Prozesse sichtbar zu machen und zeigt, wie sich der eigene Blick verändern lässt. Ein Zugang zur Kunst, der weniger Wissen voraussetzt und mehr Aufmerksamkeit verlangt…