Lutzeier M.A., Sabine Kunsthistorikerin
Magister-Studium Kunstgeschichte und Germanistik in München, selbständige Kunstvermittlerin
Um 1850 widmete sich die Malerei und Bildhauerei nicht mehr nur bedeutenden Themen und Gestalten - nun wurden einfache arbeitende Menschen zu Motiven. Die mit der Industrialisierung aufkommenden neuen Materialien wie die Ölfarben aus der Tube, Pinsel verschiedener Breiten und kleinere Leinwände waren ideal, um sie direkt im Freien zu verwenden. Im ausgehenden 19. Jahrhundert hinterfragten Künstler wie Arnold Böcklin ihre Zeit, indem sie Themen nicht mehr für in sich geschlossene Bilderzählungen nutzen, sondern Geheimnisvoll-Verborgenes anklingen ließen. Und neben der inhaltlichen Aufladung sorgte kurz vor 1900 dann der Jugendstil für eine Aufwertung der handwerklichen Qualität. vhs.KulturKarten-Veranstaltung Weitere Informationen zur vhs.KulturKarte: www.vhs-kulturkarte.de
Die Veitskapelle im Stuttgarter Stadtteil Mühlhausen ist ein hochkarätiges spätgotisches Kleinod. Sie gilt als eine der kunsthistorisch bedeutendsten Kirchen im süddeutschen Raum. Sie ist berühmt für ihre seltenen, farbenprächtigen Wand- und Gewölbemalereien aus dem Spätmittelalter, die in ihrer Vollständigkeit und Qualität als einmalig nördlich der Alpen gelten. Die spätgotische Kapelle, gestiftet von den Brüdern Reinhart und Eberhart von Mühlhausen, birgt bis heute nicht nur im Kirchenschiff einen außergewöhnlichen Bilderschatz. Damaligen Besuchenden bot sich im Inneren der Kapelle ein überwältigend farbenprächtiger Anblick – gleichsam ein Vorgeschmack auf das himmlische Paradies. Die Wandmalereien erzählen in eindrucksvoller Weise biblische Geschichten: von Szenen aus der Genesis bis hin zum Neuen Testament. An der Chorbogenwand erscheinen Propheten und Apostel, während am Westportal das Jüngste Gericht sowie die vier Evangelisten dargestellt sind. Zum Chor hin verdichtet sich das Bildprogramm weiter. Dort befand sich knapp 100 Jahre lang der um 1385 entstandene sogenannte Mühlhausener Altar, der heute in der Staatsgalerie Stuttgart aufbewahrt wird. Auf der Rückseite sind die Stifterbrüder dargestellt. Im Zentrum der Kapelle steht jedoch die Legende des heiligen Vitus, des Namenspatrons der Kirche. Liebevoll ausgeführte Details – etwa in der Darstellung der Heimsuchung – offenbaren dem aufmerksamen Betrachter überraschende Einzelheiten. Die Wandmalereien wurden niemals übertüncht und sind die besterhaltenen mittelalterlichen Wandmalereien nördlich der Alpen. Der Besuch dieser besonderen Sehenswürdigkeit ermöglicht eine faszinierende Zeitreise in die vielschichtige Glaubens- und Bilderwelt des Mittelalters.
Mit schnörkelloser Schlichtheit und natürlichen Materialien prägten Architekten und Gestalter wie der Finne Alvar Aalto (1898-1976) und die Dänen Hans J. Wegner (1914-2007) und Arne Jacobsen (1902-1971) nicht nur den Einrichtungsgeschmack der Moderne: In den 1930er bis -60er Jahren wurden sie mit ihren organischen Formen und ihrem ganzheitlichem Ansatz zu 'Vätern' des modernen nordischen Designs. Vorgestellt werden die bedeutendsten Schöpfungen, wie etwa Aaltos im Jahr 1937 erstmals präsentierte wellenförmig-gestaltete Vase, eine 'Ikone' skandinavischen Designs, die berühmten Stuhldesigns Wegners und Jacobsens sowie dessen Lampenentwürfe für Louis Poulsen. Trotz ihrer zeittypischen Merkmale veranschaulichen sie Innovation und besitzen Vorbildcharakter bis und gerade in unsere heutige Zeit hinein. vhs.KulturKarten-Veranstaltung Weitere Informationen zur vhs.KulturKarte: www.vhs-kulturkarte.de
Hart, ja steinig, war der Weg für talentierte Malerinnen, die vor 1900 häufig nur als Künstlertöchter die Chance hatten, eine solide handwerkliche Ausbildung zu erhalten. Anhand bedeutender Werke werden die Lebenswege, Konflikte und Ambitionen dreier außergewöhnlich begabter Künstlerinnen anschaulich: Anna Dorothea Therbusch (1721 als Lisiewska in Berlin geboren), Angelika Kauffmann (1741 in Chur zur Welt gekommen) und die Bekannteste unter den dreien: Paula Modersohn-Becker (geboren 1876 in Dresden). Ideelle und finanzielle Unterstützung waren für Künstlerinnen ihrer Zeit keineswegs selbstverständlich. Gesellschaftliche Erwartungen hielten Frauen vielfach in traditionellen Rollenbildern als Ehefrau, Hausfrau und Mutter gefangen und erschwerten ihre künstlerische Entfaltung erheblich. Nur die kinderlos gebliebene Angelika Kauffmann, die zunächst von ihrem Vater und später auch von ihrem Ehemann unterstützt wurde, gelang in London und zuletzt in Rom der Durchbruch. Die drei Künstlerinnen stehen exemplarisch für unterschiedliche Epochen und Orte, in denen ihnen der Zugang zu weiterbildenden Akademien, Ausstellungsbetrieben sowie zu offizieller Anerkennung durch Preise und Auszeichnungen lange Zeit stark erschwert oder ganz verwehrt blieb. vhs.KulturKarten-Veranstaltung Weitere Informationen zur vhs.KulturKarte: www.vhs-kulturkarte.de